{"id":366,"date":"2018-12-11T14:11:12","date_gmt":"2018-12-11T13:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/xn--mnnerchor-concordia-gwb.de\/?page_id=366"},"modified":"2023-12-12T08:30:15","modified_gmt":"2023-12-12T07:30:15","slug":"singen-zur-stressbewaeltigung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/xn--mnnerchor-concordia-gwb.de\/?page_id=366","title":{"rendered":"Mit Chorgesang Stress bew\u00e4ltigen"},"content":{"rendered":"\n<p>Einen Sonntagsblues kennen sie nicht, denn montags ist Chorprobe: <br>In Berlin singen Psychologen, Psychiater und Neurologen gemeinsam. <br>F\u00fcr die Singing Shrinks, die Singenden Seelenklempner, sind die Proben weit mehr als nur Gesang.<\/p>\n\n\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Die \u00abSinging Shrinks\u00bb sind ein Chor aus Psychiatern, Neurologen und Psychologen. Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass Gesang f\u00fcr Entspannung sorgt.&nbsp;Quelle:&nbsp;Christoph Soeder<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Berlin.&nbsp;&nbsp;<\/strong><br>Ein trister, verregneter Herbstabend, die Stra\u00dfen in&nbsp;Berlin-Mitte: weitgehend leer gefegt. Einer Gruppe von Psychologen und Psychiatern scheint dieses Wetter nichts anzuhaben.&nbsp;Bestens gelaunt schmettern sie immer und immer wieder Passagen aus&nbsp;Joe Dassins&nbsp;60er Jahre-Hit <br>&#8222;Aux Champs Elys\u00e9es&#8220;. Es ist Montagabend und Probentermin eines ganz besonderen Chors: der &#8222;Singing Shrinks&#8220;oder auch: der &#8222;Singenden Seelenklempner&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir sind weltweit der einzige Chor, der nur aus Psychiatern, Psychologen und Neurologen besteht&#8220;, sagt Gr\u00fcnder&nbsp;Mazda&nbsp;Adli am Rande der Probe in einer alten H\u00f6rsaalruine auf dem Charit\u00e9-Gel\u00e4nde. Ganz sicher? &#8222;Mir hat zumindest noch nie jemand widersprochen&#8220;, versichert der 49-j\u00e4hrige Psychiater. Es gebe zwar zahlreiche Mediziner-Ensembles &#8211; wie etwa das&nbsp;World Doctors Orchestra &#8211; aber ein Chor aus Leuten, die &#8222;das Gehirn behandeln&#8220; &#8211; das sei einzigartig.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 18 Jahren singen die Seelenklempner bereits gemeinsam, angeleitet von drei Profis. Die Gruppe tritt bei Jubil\u00e4umsfeiern auf oder auch bei Kongressen. Das Repertoire: ein Genre-Mix mit Liedern aus der&nbsp;Weimarer Republik&nbsp;bis hin zu Popsongs von&nbsp;Coldplay. Die Truppe tritt meist in der Region&nbsp;Berlin-Brandenburg&nbsp;auf. Denn: &#8222;Wenn wir verreisen, fehlen schlie\u00dflich auch in vielen Berliner Kliniken Chef\u00e4rzte&#8220;, sagt Adli.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die gro\u00dfen Tourneen geht es den Hobbys\u00e4ngern auch gar nicht. F\u00fcr viele ist das Singen vor allem eines: Stressbew\u00e4ltigung. Denn sie haben es mit Menschen in Ausnahmesituationen zu tun. Mit Patienten, die unter Schizophrenie, Depressionen oder Angstst\u00f6rungen leiden. Oder Menschen, die in schweren psychischen Krisen stecken. Hinzu kommen Forschung, Verwaltungsaufgaben und Gespr\u00e4che mit Angeh\u00f6rigen, \u00c4mtern,&nbsp;Polizei&nbsp;und Kollegen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich muss in meinem Beruf viele seelische Feuer l\u00f6schen. Es ist wichtig, dass man wei\u00df, wie man f\u00fcr wirksame Erholung sorgen kann&#8220;, sagt Stressforscher Adli. &#8222;Singen ist gesund f\u00fcr K\u00f6rper und Seele. Es entspannt und macht die Muskeln lockerer, die Stresshormone pegeln sich ein und positive Emotionen werden aktiviert&#8220;. Er k\u00f6nne noch so belastet und gestresst sein: &#8222;Sobald ich im Chor singe, ist alles vergessen&#8220;, sagt er.<\/p>\n\n\n\n<p>Forscher haben herausgefunden, dass beim Singen im Chor Oxytocin, das sogenannte Kuschelhormon, sowie die klassischen Gl\u00fcckshormone, Endorphine, ausgesch\u00fcttet werden. Au\u00dferdem wird beim Singen Immunglobulin gebildet &#8211; das hei\u00dft: Singen st\u00e4rkt die Abwehrkr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr&nbsp;Tom Bschor, einen der f\u00fchrenden deutschen Depressionsforscher, ist das Singen im Chor &#8222;Burnout-Prohylaxe&#8220;. &#8222;Man findet seine Mitte. Wenn f\u00fcr mich einmal ein Termin ausf\u00e4llt, fehlt mir etwas&#8220;, sagt der Chefarzt der psychiatrischen Abteilung in der Schlosspark-Klinik&nbsp;Charlottenburg. Der Chor sei zudem eine tolle Gemeinschaft. &#8222;Wir sind Freunde und tauschen uns auch beruflich aus&#8220;, so&nbsp;Bschor, der von Anfang an dabei ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Musikwissenschaftler und Autor&nbsp;Gunter Kreutz&nbsp;(&#8222;Warum singen gl\u00fccklich macht&#8220;) best\u00e4tigt diese Erfahrungen. &#8222;Singen tut psychisch sehr gut. Es gibt unendlich viele Berichte dar\u00fcber, dass sich S\u00e4nger nach einer&nbsp;Chorprobe&nbsp;erfrischt, gest\u00e4rkt und entspannt f\u00fchlen&#8220;, so der Professor an der&nbsp;Universit\u00e4t Oldenburg. Seit etwa 20 Jahren st\u00fcnden Laiench\u00f6re zunehmend im Interesse der Wissenschaft. Untersuchungen h\u00e4tten zudem gezeigt, dass das Singen im Chor auch ein meditatives Erlebnis sei. &#8222;Man kommt zu sich und wird achtsamer im Umgang mit sich und der Umwelt&#8220;, so&nbsp;Kreutz.<\/p>\n\n\n\n<p>Genaue Zahlen dar\u00fcber, wie viele Menschen in Ch\u00f6ren singen, gibt es laut&nbsp;Deutschem Chorverband nicht. Die Zahl der verbandlich organisierten Ch\u00f6re liege bei etwa 60.000. Hinzu k\u00e4men Betriebsch\u00f6re, Schulch\u00f6re und Ch\u00f6re der freien Szene, deren Zahlen nirgendwo systematisch erfasst w\u00fcrden, sagt Sprecherin&nbsp;Nicole Eisinger. &#8222;Aus unseren Erfahrungen und Beobachtungen heraus ist gerade dies aber ein Bereich, der verst\u00e4rkt Zulauf erf\u00e4hrt&#8220;, so&nbsp;Eisinger&nbsp;mit Blick auf letztere. &#8222;Daneben boomen auch die v\u00f6llig zwanglosen Mitsingformate wie zum Beispiel der&nbsp;&#8222;Ich-kann-nicht-singen-Chor&#8220; aus&nbsp;Berlin, das Rudelsingen oder gro\u00dfe Mitsing-Stadionevents&#8220;, erg\u00e4nzt&nbsp;Eisinger.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Berliner Chorleiter&nbsp;Sven Ratzel&nbsp;betreut sechs Ensembles, darunter auch die Seelenklempner. &#8222;Jeder Chor ist speziell, wenn eine Gruppe so etwas Identit\u00e4tsstiftendes hat, ist das etwas Feines&#8220;, sagt er mit Blick auf den gemeinsamen beruflichen Hintergrund der Singing Shrinks.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Urspr\u00fcnge hat der Psychiaterchor bei der Verabschiedung eines Klinikdirektors, f\u00fcr den Adli und Kollegen vor 18 Jahren ein St\u00e4ndchen sangen. &#8222;Das hat so viel Spa\u00df gemacht, dass wir weitergemacht haben&#8220;, so Adli. Der Probentermin sei nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt. &#8222;Die Montage sind im Klinikalltag besonders belastend. Jetzt hat man keinen&nbsp;Sonntagsblues&nbsp;mehr, denn am Montag ist ja&nbsp;Chorprobe.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>dpa<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Quelle: MAZ-online 07.12.2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen Sonntagsblues kennen sie nicht, denn montags ist Chorprobe: In Berlin singen Psychologen, Psychiater und Neurologen gemeinsam. F\u00fcr die Singing Shrinks, die Singenden Seelenklempner, sind die Proben weit mehr als nur Gesang. Die \u00abSinging Shrinks\u00bb sind ein Chor aus Psychiatern, Neurologen und Psychologen. 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